Soziale Netze

Experteninterview

Soziale Netze

Experteninterview

"Wer arbeitet wirklich mit meinen Daten?"

Internetexperte Florian Grunow über Cybermobbing, Privatsphäre und Datenschutzgesetze.

Worauf sollte man achten, bevor man sich in einem sozialen Netzwerk wie Facebook registriert? 

Florian Grunow: Prinzipiell gilt: Ich verliere erst einmal die Kontrolle über alles, was ich in sozialen Netzwerken veröffentliche. Freunde können meine Bilder ganz schnell kopieren. Wenn dann diese Freunde irgendwann keine Freunde mehr sind, sind die Daten schnell ohne mein Wissen oder meine Zustimmung verbreitet. Dagegen muss ich im Vorfeld etwas tun und wirklich abwägen, wie viele Daten notwendig sind und welches Licht diese Daten auf mich werfen. Das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) besagt, dass Systeme zum Erheben von Daten den Prinzipien der Datensparsamkeit und der Datenvermeidung unterliegen sollten. Das sind sie bei sozialen Netzwerken natürlich nicht, da deren Zweck die möglichst umfangreiche Erhebung von Daten ist. Darum muss man als Benutzer selbst Datensparsamkeit und Datenvermeidung umsetzen, um die eigene Privatsphäre zu schützen. Bei Kindern und Jugendlichen ist das besonders wichtig, da die anfallenden Daten durchaus zur Gefahr werden können, wenn sie in falsche Hände gelangen. Mobbing innerhalb von Social Communities ist längst kein Einzelfall mehr. 15 Prozent der befragten Jugendlichen berichteten für die Erhebung der JIM-Studie 2010, dass andere schon einmal peinliche Bilder von ihnen online stellten. Grundsätzlich sollte man sich im Vorfeld die Nutzungsbedingungen durchlesen. Dort findet man meist schon Hinweise auf das, was mit den Daten geschieht.


Wie findet man heraus, wer hinter einem sozialen Netzwerk steckt?

Grunow: In Deutschland müssen Webseiten mit einem Impressum gekennzeichnet sein, sofern sie nicht eindeutig privater Natur sind. Bei sozialen Netzwerken, die in Deutschland ansässig sind, kann man über das Impressum herausfinden, wem der Dienst tatsächlich gehört. Bei ausländischen Betreibern ist dies eventuell problematisch, jedoch sind die großen Anbieter auch meist gekennzeichnet. So gehört StudiVZ zum Beispiel zu den VZ-Netzwerken, die der Verlagsgruppe Holtzbrinck gehören. Wer-Kennt-Wen wurde 2009 von RTL gekauft.

 

Was dürfen die Betreiber mit den persönlichen Daten der Nutzer anstellen?

Grunow: Das hängt davon ab, welche Rechte man bei der Anmeldung an die Betreiber abtritt. Ein Extrembeispiel ist die Use Policy von ICQ. Dort steht - auf Englisch -, dass man durch eine Mitgliedschaft ICQ die uneingeschränkte, fortwährende und unwiderrufbare Lizenz gewährt, das angegebene Material in allen Medien zu benutzen, zu reproduzieren, anzuzeigen, vorzuführen, zu bearbeiten, abzuändern, zu übertragen und zu verteilen. Am Ende der AGB steht: "Sie erklären sich damit einverstanden, dass ICQ es frei steht, jegliche Ideen, Know-how, Konzepte, Techniken oder andere Materialien, die Sie uns für jeglichen Zweck schicken, zu benutzen."

 

Stimmt es, dass Facebook und StudiVZ persönliche Daten ihrer Nutzer verkaufen?

Grunow: Das weiß natürlich niemand so genau. Bei ausländischen Betreibern in Ländern, in denen Datenschutzgesetze wesentlich weniger restriktiv sind als in Deutschland, sind die Daten natürlich besonders zur Marktforschung und für Werbezwecke interessant und werden auch verkauft. Die sozialen Netzwerke aus Deutschland geben an, dass die Daten nicht an Dritte weitergegeben oder gar verkauft werden. Die Frage ist, wie das mit eigenen Abteilungen oder beim Outsourcing aussieht. Ob diese Abteilungen noch als "Dritte" gelten, wird nirgendwo geklärt. Fakt ist, dass die Daten einen enormen Marktwert haben.

 

Was passiert mit meinen Daten, wenn ich meinen Account lösche?

Grunow: Die großen Betreiber schreiben in ihren Nutzungsbedingungen meist, dass die Daten tatsächlich gelöscht werden. Fraglich ist nur, wer dies kontrolliert, wie lange Backups existieren, und ob die Daten nicht vielleicht in pseudonymisierter Form weiterverarbeitet werden könnten. Letztendlich hat nur der Betreiber die volle Kontrolle über die Daten der Nutzer. Deshalb muss man beim Löschen eines Accounts darauf vertrauen, dass die Daten auch wirklich unwiderruflich gelöscht und nicht weiterverarbeitet werden. Kontrolle hat man darüber nicht.

 

Welche Rechte habe ich gegenüber den Betreibern?

Grunow: Das kommt auf die geltenden Gesetze an. Zunächst gilt natürlich der Schutz der Privatsphäre mit dem Recht am eigenen Bild. Fraglich ist allerdings, ob die Bilder und Daten in einem sozialen Netzwerk ebenfalls hierunter fallen, denn dort ist eventuell das Recht am eigenen Bild abgetreten worden. Bei Facebook beispielsweise gibt man mit Akzeptieren der Nutzungsbestimmungen und den falschen Privatsphäre-Einstellungen den Betreibern das Recht, die eigenen Daten zu nutzen. In der Standardeinstellung der persönlichen Privatsphäre erteilt man Facebook automatisch die Erlaubnis, den eigenen Namen und das Profilbild mit "kommerziellen, gesponserten und verwandten Inhalten" zu verbinden.

Inländische Stellen, die Daten in Deutschland erheben, sind an das BDSG gebunden. Dort hat man im Notfall also auch die Möglichkeit, den Rechtsweg zu gehen. Gerade bei Betreibern, die ihren Sitz nicht innerhalb der EU haben, stellt sich jedoch die Frage, inwiefern man die Rechte im BDSG überhaupt durchsetzen kann.

Im Zweifelsfall können die Datenschutzbeauftragten Hilfe leisten und Informationen zur Verfügung stellen.

Letztendlich muss man sich immer wieder bewusst machen, dass man dem Betreiber vertrauen muss, sobald man die eigenen Daten preisgibt. Dazu kommen auch Aspekte wie Sicherheit, die der Betreiber vielleicht nicht ausreichend umgesetzt hat und die für einen Laien bei einer Anmeldung überhaupt nicht zu beurteilen sind. Wer arbeitet wirklich mit meinen Daten? Und wenn diese an externe Stellen weitergegeben werden, wer garantiert mir, dass dort mit den Daten angemessen und vorsichtig umgegangen wird? Wer garantiert mir, dass meine Daten von den Benutzern mit dem nötigen Respekt behandelt werden?

Aktuelles

Reaktion auf Fake-Accounts

Facebook löscht tausende Nutzerkonten MEHR >>

Update für aktuelle Smartphones

Google veröffentlicht Android O MEHR >>

Zusatzangebot für Amazon-Prime-Kunden

Bundesliga live für zusätzlich 4,99 Euro im Monat MEHR >>

Suche vorübergehend
deaktiviert!
Zum Jugendportal